Mein großer kulinarischer Jahresrückblick 2015

JANUAR

JANUAR: 2015 begann für mich mit guten Vorsätzen. Hier seht Ihr, wie ich selbst versuche, Pommes herzustellen. Leider habe ich nicht lange durchgehalten. Tja, wer einmal vom Baum der Erkenntnis genascht hat, lässt sich nicht mehr so leicht hinters Licht führen

FEBRUAR

FEBRUAR: Ab und zu nehme ich an „professionellen“ Kochkursen teil, um diejenigen besser verstehen zu lernen, über die ich schreibe. Leider wird bei diesen Kursen immer wieder versucht, Genussanfänger mit Blendwerk wie Jakobsmuscheln aus dem Ofen in die kulinarische Irre zu leiten. Ich war mir im Februar nicht zu schade, dem anwesenden Koch das Toast Hawaii Rezept herunterzubeten und ihm mitzuteilen, dass das Überbacken von einer Dosenananas mit Scheiblettenkäse der einzig legitime Grund ist, einen herkömmlichen Backofen zu nutzen. Er ist mir dafür vor Dank um den Hals gefallen und wollte mich zu einem Essen bei Pappsatt einladen.

MÄRZ

MÄRZ: Als Genussinspektor patroulliere ich auch außerhalb von Langenfeld. Im März war ich beispielsweise in Köln, wo mir diese Unverfrorenheit übelst aufgestoßen ist, noch bevor ich überhaupt bestellen konnte. Klar, Pizza Pazza gibt es auch in Opladen, aber dass jemand versucht mit leicht abgewandelter Schreibweise mit dem Image von einer der Langenfelder Institutionen schlechthin Kasse zu machen, ist echt das letzte!

APRIL

APRIL: Über Ostern erholte ich mich für ein paar Tage auf Mallorca. Ich hatte vergessen vor der Zollkontrolle ein paar Langenfelder Bamischeiben zu bodystuffen, und so litt ich binnen kürzester Zeit unter Heimweh. Vor Ort konnte ich weder Pommes noch Pizza essen, weil das das Heimweh noch verstärkt hätte. Sangria im Eimer war bereits abgeschafft und so konnte ich mich nur mit diesem lächerlich aufgebrezelten Saumagen beruhigen.

MAI

MAI: Wenn man sich nicht entscheiden kann, ob das Wetter noch unter „Frühling“ oder schon unter „Sommer“ läuft, ziehts mich nach draußen. Meist sitze ich mit abiturientenhaften Freiheitsgefühlen und einer Gyros Pita in der Hand auf der Parkbank und lausche der Wiederauferstehung der Natur und dem Motor des Drehspießes vom Stadtgarten Grill. Diesen Mai habe ich jedoch diese beiden von rücksichtslosen Rasern plattgewalzten Franzosen von der Straße aufgelesen und ihnen einen Platz an der Sonne beschert. Silag Mussi kennt keine Grenzen und hilft unabhängig von kleinkariertem Nationaldenken.

JUNI

JUNI: Wenn es draußen nicht so kalt ist, dass einem die Hände abfrieren, widme ich mich meiner zweiten großen Leidenschaft: der Archäologie. Mich interessieren die materiellen Hinterlassenschaften von großen Kulturen, die im zeitgeschichtlichen Räderwerk zermalmt wurden, wie beispielsweise eine Rahmwurst zwischen meinen Kauleisten. Da im Juni die Bauarbeiten für die Osteria in Langenfeld in vollem Gange waren, schlich ich mich nachts auf das Gelände mit Spaten und Gemüseschnitzkasten, um die Vergangenheit freizulegen und wie Ihr seht, war ich erfolgreich. Diese sumerische Bratwurst im Brot (Tomaculum et panem)ist nahezu unbeschadet erhalten geblieben. Ich habe sie als Denk-, Mahn- und Mittagsma(h)l der Pommesbude Curry Woosch in Reusrath gestiftet, auf dass sie uns und den uns folgenden Generationen ein mächtiges Werkzeug zur Erinnerung unserer eigenen Wurzeln darstellen möge.

JULI

JULI: Im Juli ist Langenfeld Isst ein Jahr alt geworden und das haben unsere Leser gefeiert, indem sie unsere wunderschönen Sticker an verschiedensten Orten aufklebten. Wir freuen uns zwar über den Zuspruch, mahnen aber auch an: Nur die eigenen Gegenstände dürfen bestickert werden! Das Anbringen an fremden Eigentum macht uns Angst, wir sehen die Gefahr, dass das, was wir erschaffen haben, eine Eigendynamik entwickelt, uns über den Kopf wächst, von uns höchstens bedingt gesteuert werden kann und größer wird als wir, als unsere Leser, vielleicht sogar als Langenfeld als Ganzes. Uns gruselte der Gedanke, dass sich die Geschichte von Frankenstein vielleicht wiederholt. Aber dann ist uns eingefallen, dass Langenfeld Isst ja von Herzen gut ist, weswegen wir uns wieder gefangen haben und fröhlich den Geburtstag feiern konnten.

AUGUST

AUGUST: Auch wenn mir hochgenrige Imbisse am liebsten sind, setze ich meine Gesundheit und das ästhetische Empfinden meiner Leser aufs Spiel, um Fakten aufzudecken, die die Mainstream Presse versucht unter den Tisch zu kehren. Mein Beitrag im August über die 10 schlimmsten Teller Langenfelds wurde deswegen nicht ohne Grund von den Lesern mit den meisten Klicks aller Zeiten belohnt.

SEPTEMBER

SEPTEMBER: September war mein Streetfood Monat schlechthin. Ich habe mich von einer Foodtruck Meile zum nächsten Craft-Food-Festival durchgegessen und bin dabei auf einem High aus Couscous Sushi, veganem Pulled Pork und confierten Bratapfelkernen geflogen. Ende des Monats bin ich jedoch auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Mir ist klar geworden, dass ich ohne die Pizza von Brunello, die Pommes von Nazar und das frittierte Sushi von der Asien Perle nichts bin

OKTOBER

OKTOBER: Im Oktober habe ich die Grenze zwischen Privatperson und professionellem Restaurantkritiker endgültig aufgelöst. Für ein umfassendes Portrait habe ich im Interview von den German Food Blogs Rede und Antwort gestanden. Ich fühle mich nun nackt und besch(m)utzt, aber ich weiß, dass die Leute das von mir erwarten. Ich bin bereit, das Wohl der Allgemeinheit über mein eigenes zu stellen und alles für meine Leser aufzugeben, nur damit ich Teil von etwas Übermenschengroßem bin.

NOVEMBER

NOVEMBER: November war für mich ein sehr trauriger Monat, weil Rex Gildo mir damit gedroht hat, mich umzubringen. Auch auf Facebook haben mich viele beleidigt, weil sie dachten, Silag Mustafa sei nicht mein richtige Name. Dabei bin ichs doch, SILAG MUSSI! Nur die Gewissheit, dass der Shitstorm Langenfeld Isst ordentlich Traffic beschert hat und Rex Gildo die (für ihn) bitteren Folgen des Streisand-Effekts spüren musste, konnte die Tränen auf meiner Wange trocknen.

DEZEMBER

DEZEMBER:
Wenn Ihr wie ich am Jahresende zum Schwelgen neigt, könnt Ihr meinen Besuch in der Uni Mensa Köln verstehen. Vor vielen Jahren lernte ich hier das Journalistenhandwerk. Seitdem führe ich den Füllfederhalter sicher wie ein Chirurg das Skalpell. Das Essen in der Mensa begeistert hier anders als beispielsweise Schnecken in Provinzialsauce von Tutti Frutti oder Feta Fournos von Elisabeth. Doch ähnlich wie beispielsweise beim Essen eines Eintopfes von Mama, fühlt man sich persönlich berührt und zu Hause. So möchte auch ich, dass Ihr Euch beim Lesen von Langenfeld Isst heimisch und geborgen fühlt.

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